Die folgenden Ausführungen entsprechen unserem Schulprofil bis einschl. des Schuljahres 2017/18. In der künftig wieder geltenden G9-Laufbahn werden evtl. abweichende Konzepte gelten. Wir halten Sie natürlich über alle absehbaren Neuerungen auf dem Laufenden!

Dein Elternbrief zur Profilklassenwahl für das Schuljahr 2018/19 finden Sie hier!


MusikKlasse (Jg. 5/6)

Seit dem Schuljahr 2006/2007 gibt es am Kreisgymnasium für die Fünftklässler sog. Musikklassen. In der Musikklasse ist der Musikunterricht praktisch ausgerichtet. Alle Kinder dieser Klasse erlernen ein Instrument und musizieren gemeinsam. Dies findet innerhalb des regulären Musikunterrichts statt, also zwei Stunden pro Woche. Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler von Lehrkräften der Musikschule Halle sowie von einem Musiklehrer des KGH.

In jährlichem Wechsel gibt es eine Streicherklasse, hier können die Kinder Geige oder Cello lernen, und eine Bläserklasse, hier gibt es die Möglichkeit Querflöte, Klarinette, Saxophon, Trompete, Euphonium oder Posaune zu erlernen.  Streicher- und Bläserklasse sind als Kurs über 2 Jahre angelegt.

Welche pädagogischen Chancen eröffnen die Musikklassen?

Viele Eltern wünschen sich für ihr Kind, dass es ein Instrument spielt. Trotzdem sind es nur vergleichsweise wenige Kinder – meist kommen sie aus den musikalisch gebildeten Elternhäusern –, die diesen Wunsch auch in die Tat umsetzen. Die Musikklasse eröffnet nun vielen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, im Rahmen des normalen Schulunterrichtes ein Orchesterinstrument zu erlernen. Die Chancen dabei erfolgreich zu sein sind besonders gut, denn die Kinder werden beim Erlernen des Instrumentes von der Gruppe gestützt, sodass „Durststrecken“, die beim Einzelunterricht häufiger zum Aufhören führen, bewältigt werden.

Das Erlernen eines Musikinstrumentes und das Spielen in der Orchestergemeinschaft sind für die Kinder in vielerlei Hinsicht pädagogisch förderlich. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welch positive Wirkung die aktive Beschäftigung mit Musik bei Kindern erzielt:

  • Sie lernen sich intensiv zu konzentrieren.
  • Sie stärken bei der Bewältigung spieltechnischer und musikalischer Schwierigkeiten ihr Selbstwertgefühl.
  • Sie entwickeln Durchhaltevermögen auch über längere Zeiträume hinweg.
  • Sie schulen soziale Kompetenzen, denn gemeinsames Musizieren fördert in hohem Maße soziales Lernen und Teamfähigkeit.
  • Sie tun etwas für ihr seelisches Wohlbefinden, denn das Selbstgestalten von Musik dient der emotionalen Stabilisierung.
  • Sie schulen allgemeine intellektuelle Kompetenzen wie das Denken in Zusammenhängen, geistige Flexibilität und Kreativität.

In die Musikklasse auf genommen werden nur Kinder, die noch keines der angebotenen Instrumente spielen, also Anfänger sind.

In den Instrumentalklassen entfallen hohe Anfangsinvestitionen (Kauf eines Instrumentes), da die Instrumente von der Schule ausgeliehen werden.

Die Eltern zahlen für den Unterricht pro Monat eine Gebühr von 35,00 € (auch in den Ferien); darin enthalten sind die Kosten für den Instrumentalunterricht, die Ausleihe des Instruments und die Instrumentenversicherung.

Nach Beendigung des 2-jährigen Kurses können die Kinder den Instrumentalunterricht bei der Musikschule Halle weiterführen. Ca. 50%  der Schülerinnen und Schüler einer Musikklasse machen davon Gebrauch.

Ansprechpartner zu Fragen der Musikklasse sind Frau Kunze (Bläserklasse) und Frau Gronewold (Streicherklasse).

 

Europa-Klasse (ab Jg. 7)

Seit 2007 gibt es am Kreisgymnasium die Europaklasse, eine ab der Klasse 7 neu zusammengesetzte Klasse mit einem besonderen fremdsprachlichen Profil. Und die Schülerinnen und Schüler sind mit Begeisterung dabei. In der Europaklasse werden in den Klassen 7 und 8 kleinere Sequenzen des Geschichtsunterrichts auf Englisch unterrichtet, in der Klasse 9 auch Teile des Politikunterrichts auf Französisch. So sollen die modernen Fremdsprachen eine lebendige Erfahrung für die Schülerinnen und Schüler sein. Zudem wird in der zusätzlich angebotenen fremdsprachlichen Europa-AG auf Englisch oder Französisch über Fachinhalte des Geschichts- bzw. Politikunterrichts kommuniziert.

Was sind der Sinn und das Ziel einer solchen Europaklasse? In der heutigen Zeit wird die Beherrschung von Fremdsprachen sowohl in der Arbeitswelt als auch an Universitäten immer wichtiger. Flüssiges Kommunizieren in mehreren Fremdsprachen wird bei vielen Arbeitsplätzen geradezu vorausgesetzt. In der Europaklasse werden die Schülerinnen und Schüler langsam und spielerisch an diese Fähigkeit herangeführt, die erlernten Fremdsprachen auch zu benutzen, um z.B. über Themen wie „Ritter“ auf Englisch oder „Einwanderer“ auf Französisch zu sprechen. Damit werden von Beginn an Hemmschwellen abgebaut, in der Fremdsprache auch komplexe Sachverhalte des Fachunterrichts zu versprachlichen.

 Der Geschichtsunterricht in der Klasse 7 beschäftigt sich beispielsweise mit dem Mittelalter: Könige, Burgen, Ritter – das sind spannende Themen für die Siebtklässler, über die sie oft schon ein gutes Vorwissen mitbringen. Aber auch anspruchsvolle Themen wie der Konflikt zwischen Papst und Kaiser oder das mittelalterliche Feudalsystem und die Grundherrschaft stehen auf dem Lehrplan. In der Europaklasse wird besonderer Wert darauf gelegt, dass diese Themen eine europäische Dimension haben. Auch in Großbritannien oder Frankreich gab es feudale Abhängigkeiten, Burgen oder das Lehenssystem. Die mittelalterliche Welt war miteinander verbunden. Karl der Große gilt sowohl den Franzosen als auch den Deutschen als „Stammvater“ ihrer jeweiligen Reiche. Das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ umfasste weit mehr als nur das deutschsprachige Kerngebiet. Und die normannische Eroberung Großbritanniens im Jahre 1066 (the Norman Conquest) brachte viele französische Wörter in die englische Sprache – bis heute ist diese Vernetzung sprachlich sichtbar: liberty (la liberté), reason (la raison) oder survive (survivre). In einem Halbjahr hat nur jeweils ein Fach fremdsprachliche Anteile. In der Klasse 7 ist das sowohl im ersten als auch im zweiten Halbjahr zunächst das Fach Geschichte mit englischsprachigen Modulen. Je nach Lehrerbesetzung werden fremdsprachliche Module auch in anderen Fächern angeboten wie z.B. in Chemie, Biologie oder Erdkunde.

Die Europaklasse hat eine Zusatzstunde, die Europa-AG, und hier wird das Fach Geschichte größtenteils auf Englisch unterrichtet, mit Originalmaterialien aus Großbritannien. Das mittelalterliche England – Medieval England – kennenzulernen und über wichtige Ereignisse auf Englisch zu sprechen, das gelingt den Schülerinnen und Schülern schon sehr gut. Die motivierenden Schulbücher aus Großbritannien helfen dabei. In der Europa-AG liegt der Fokus vor allem auf dem freien Sprechen und dem eigenständigen Präsentieren von Themen. Im 1. Halbjahr des 9. Jahrgangs wird die „Europa-AG“ zur Vorbereitung auf das französische Sprachdiplom DELF A2 genutzt.

Die Europaklasse ist auch die Französisch-Gruppe, die in dieser Stufe für einen Austausch mit unserer Partnerschule in La Rochelle (Lycée et École Fenelon) in Frage kommt. Der Austausch mit la Rochelle besteht seit dem Jahr 1976 und ermöglicht den Schülerinnen und Schülern das Kennenlernen eines europäischen Landes durch unmittelbaren Kontakt in Gastfamilien.

Die Europaklasse hat neben der Stärkung fremdsprachlicher Kompetenz aber noch eine andere Aufgabe: die Schülerinnen und Schüler mit der Bedeutung Europas vertraut zu machen. Deshalb werden in der Europa-AG alle Länder Europas vorgestellt, sowohl die großen Länder wie Spanien, Frankreich oder Polen als auch die kleineren wie z.B. Estland oder Liechtenstein. Auf einer Europakarte lernen die Schülerinnen und Schüler auch etwas über die geographische Lage dieser Länder.

Das Konzept der Europaklasse vermittelt den Schülerinnen und Schülern eine wichtige Kernkompetenz: europäisch zu denken und zu handeln und dabei nationale Vorurteile zu überwinden. Viele Kinder, die mehrsprachig aufgewachsen sind, die z.B. neben deutsch auch polnisch, albanisch oder rumänisch beherrschen, bereichern dabei diese Klasse. Der politisch viel diskutierte „Migrationshintergrund“ gilt hier nicht als Problem, sondern als Bereicherung – auch das ist ein positiver Nebeneffekt der Europaklasse.

Mittlerweile wird die Europaklasse Zug um Zug in Richtung eines Ausbaus von Bilingualität weiterentwickelt. Perspektivisch sollen größere Sequenzen des Fachunterrichts in der Fremdsprache unterrichtet werden, wie es an vielen anderen Schulen bereits gängige Praxis ist. Wie Europa insgesamt ist auch die Europaklasse eine Klasse im Werden.

MINT-Klasse (ab Jg. 7)

Die MINT-Klasse kann von allen Schülerinnen und Schülern gewählt werden, die sich in JgSt. 7 für einen Neigungsschwerpunkt entscheiden möchten. Im Vergleich zur Klasse ohne Schwerpunkt bedeutet dies für die kommenden drei Schuljahre der Sek I -wie in der Europa-Klasse auch- eine Stunde mehr Unterricht pro Woche. Diese zusätzliche Wochenstunde wird halbjährlich auf die naturwissenschaftlichen Fächer verteilt. Außerdem wird die Zusatzstunde Geschichte, die in der Europa-Klasse dann teilweise in der Fremdsprache unterrichtet wird, hier in der MINT-Klasse ebenfalls den Naturwissenschaften zugeschlagen. So resultieren die in der Tabelle unten angegebenen fünf zusätzlichen Wochenstunden in den MINT-Fächern. Hinzuweisen ist an dieser Stelle darauf, dass die Möglichkeiten des Wahlpflichtbereiches ab Klasse 8 bei Wahl der MINT-Klasse ohne Einschränkungen erhalten bleiben.

Der zusätzliche Stundenumfang wird genutzt, um dem natürlichen Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen intensiver nachgehen zu können. Es bleibt etwas mehr Zeit für Experimente und für eine intensivere Beschäftigung mit dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Dies gelingt insbesondere durch die projektartige Beschäftigung in dem jeweils mit drei Wochenstunden erteilten Fach (Biologie, Chemie bzw. Physik): Hier können dann Problemstellungen unterschiedlicher Experimentier-Wettbewerbe wie „Dechemax“, „FuelCell-NRW“, „Informatik-Biber“ oder „IJSO“ (International Junior Science Olympiade) dank der zusätzlich verfügbaren Unterrichtszeiten über einen Zeitraum von jeweils zwei bis drei Wochen während der Unterrichtszeit weitgehend selbständig im Team bearbeitet werden.

Die Einführung in die Benutzung des PCs wird während der gesamten JgSt. 7 systematisch trainiert. Sie ist auch als nützliche Hilfestellung und Vorbereitung für gelungene Präsentationen eingereichter Wettbewerbsbeiträge gedacht. Und natürlich wird die gesamte Klasse in der JgSt. 9 an der ersten Runde der Mathe-Olympiade teilnehmen, für deren Vorbereitung im zweiten Halbjahr der 8. Klasse eine zusätzliche Stunde Mathematik stattfindet. Diese unterscheidet sich inhaltlich vom normalen Mathematik-Unterricht. Neben den Wettbewerben, den dadurch möglichen Erfolgserlebnissen und der zusätzlichen Wochenstunde „Anwendungs-Informatik“ in Klasse 7 werden in der MINT-Klasse die gleichen Unterrichtsthemen behandelt wie in den parallelen Klassen – nur etwas intensiver und orientiert an den Leitthemen Wasser (Klasse 7), Ökologie (Klasse 8) und Energie (Klasse 9).

Was für die Europa-Klasse gilt, das trifft genau so für eine Entscheidung zugunsten der MINT-Klasse zu: Ihr Kind muss keine Spitzenleistungen in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie vorweisen können, um hier erfolgreich dabei zu sein! Interesse, Neugier, eigene Ideen und Fleiß sind – wie so oft – nützliche Voraussetzungen für ein gutes Gelingen.